Start in die Selbstständigkeit: 5 Dinge, die ich heute anders machen würde

Zuletzt aktualisiert am 19/05/2026 |   geschrieben von Katja Smigerski
Katja Smigerski

Als Gründungscoach habe ich inzwischen viele Frauen auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit begleitet. Dabei kommt immer wieder eine Frage auf: Katja, was würdest du denn anders machen, wenn du heute nochmal gründen würdest? 

Das habe ich mir eine Weile durch den Kopf gehen lassen – und passend zu meinem vierjährigen Gründungsjubiläum sind hier meine ehrlichen Learnings: Was ich anders machen würde. 

Auf einen Blick: Meine wichtigsten Learning fürs Gründen

Wenn ich heute noch einmal frisch gründen würde, würde ich ein paar Dinge anders machen. Im Kern sind das:


  • Es führen viele Wege nach Rom: Finde deinen eigenen Weg, statt der shiny Strategie eines „lauten“ Business Coaches zu folgen 
  • Resilienz vor Strategie: Mentale Stärke und ein starkes „Warum“ entscheiden über den Erfolg, nicht die perfekte Strategie. 
  • Mut zur Naivität: Perfektionismus blockiert dich nur. Wachse lieber mit jedem Schritt und lerne im Prozess, statt alles perfekt vorzubereiten.
  • Keine Angst vor gezielten Investments: Ein Finanzpuffer ist zum Nutzen da – besonders für 1:1-Support und technische Basics.
  • Sichtbarkeit beschleunigen: Frühzeitig auf bezahlte Ads setzen, um schneller erste Kund:innen zu gewinnen.
  • Fördermittel nutzen: Beratung für Gründerinnen und Selbständige wird oft staatlich bezuschusst – auch abseits der Agentur für Arbeit.

1. Keinem Business Coach glauben, der mir verspricht, dass ich mit seiner/ihrer Strategie garantiert erfolgreich werde.

Es gibt viele Coaches da draußen, die dir sagen, dass ihre Strategie die einzig wahre ist. Dass du damit ganz sicher schnell deine ersten Kund:innen gewinnst und finanziell rentabel wirst. Damit du das lernst, zahlst du viel Geld. 

Darauf bin ich auch reingefallen – mehrmals. Das Ding ist: Jede:r ist anders, bringt einen anderen Erfahrungsschatz und eine andere Persönlichkeit mit. One-fits-all-Lösungen können funktionieren, wenn man der jeweils passende Typ dafür ist. Aber in den meisten Fällen führt das mehr zu Frust als zu Erfolgen.

Gleichzeitig ist ein Mentoring oder Business Coaching für die erste Phase Gold wert. Genau da würde ich aus heutiger Sicht anders rangehen.

Ich würde direkt in ein 1:1-Mentoring oder ein kleines, feines Gruppen-Coaching investieren, bei dem es darum geht:

  • individuelle Marketing- und Vertriebsstrategien zu entwickeln
  • Sparring zu haben, wenn Zweifel und Ängste aufkommen
  • gemeinsam Lösungsideen für aufkommende Herausforderungen zu finden
  • andere Sichtweisen und/oder ehrliches Feedback zu bekommen, wenn man gedanklich feststeckt

... und das ist auch meine Empfehlung an dich.

2. Meinen Fähigkeiten vertrauen – statt zu versuchen, alles perfekt zu machen.

Glaub mir, ich habe einen starken Anteil in mir, der sehr perfektionistisch ist. Er sorgt dafür, dass ich hohe Qualität liefere. Aber wie bei allen inneren Antreibern kann er auch sehr hinderlich sein. 

Das hat dazu geführt, dass ich für vieles lange gebraucht habe. Ich habe ewig Coachings vorbereitet. Oder an Workbooks gebastelt. Und ich habe mich fast schon geschämt, wenn etwas nicht funktioniert hat. Beispielsweise habe ich über Instagram nie Kund:innen gewonnen. Später, über SEO-Maßnahmen, dann kontinuierlich.

Mit der Zeit habe ich gelernt, mit dem Prozess zu gehen: Wenn etwas nicht so läuft wie geplant, ist das kein Fehler, sondern einfach die Erkenntnis: Ok, so funktioniert es nicht. Wie kann es also dann gehen?

Seit meiner Gründung habe ich viele Weggefährtinnen gesehen, die schon nach wenigen Monaten aufgegeben und die Selbständigkeit als gescheitert abgehakt haben. Was super schade ist, denn vielen von ihnen fehlte schlicht und einfach das Durchhaltevermögen – und die Resilienz.

Ich habe erst mit der Zeit bemerkt, dass ich sowohl die Resilienz als auch das Durchhaltevermögen schon mitbringe. Und mit der Zeit gelernt, auch meinen perfektionistischen Anteil liebevoll in Schach zu halten. 

Mit Begleitung durch eine:n Coach oder Mentor:in ist es viel leichter

All das ist einfacher, wenn man eine Mentorin oder einen Mentor hat, der die Meta-Perspektive behält. Der dabei hilft, den Weg zu finden, der zu einem passt – und Blockaden zu lösen, die unterwegs aufkommen.

Das ist übrigens auch etwas, was bereits in meiner Festanstellung meine beste Entwicklungshilfe war: Meine Chefs oder Chefinnen waren stets wie Mentor:innen für mich. Sie waren nie perfekt, aber ich habe viel von ihnen gelernt und bin sehr dankbar dafür. Vielleicht kennst du das ja auch.

Was ich an dieser Stelle erwähnen möchte: Auch Gruppen mit Gleichgesinnten können eine tolle Unterstützung sein. Aber sie sind auch schnell eine Falle. Denn wenn eine mal eine schlechte Phase hat, kann sie die anderen schnell verunsichern und runterziehen – gerade in der sensiblen Phase zu Beginn einer Selbständigkeit.

Meine Empfehlung: Sollte das bei dir noch nicht so ausgeprägt sein, dann investiere in dein Mindset. Denn am Ende sind es nicht die Businessstrategien, an denen du scheiterst, sondern deine Einstellung. 

3. Meinen Finanzpuffer gezielt einsetzen, statt ihn zu horten.

Ich bin mit einem mehrfach fünfstelligen finanziellen Puffer in die Selbständigkeit gestartet. Das war gut. Es war für mich damals genau der Rückhalt, um den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen.

Allerdings habe ich dieses Geld gehütet wie einen Schatz, den ich nicht anrühren darf. Immer mit dem Gedanken: Bloß nicht zu viel ausgeben, ich brauch das ja noch. Jedes Mal, wenn ich doch etwas genutzt habe, war das von einem schlechten Gewissen begleitet.

Das war ein Fehler.

Heute würde ich von Anfang an Folgendes klar definieren:

  • In welchen Bereichen macht es Sinn zu investieren, statt Kompetenz selbst aufzubauen – und dadurch wertvolle Zeit zu verlieren?
  • Welchen Betrag fasse ich nicht an, weil er mein absoluter Puffer ist, wenn keine Einnahmen reinkommen? In der Regel sollten das etwa 6 Monate Unternehmerlohn sein (= das Geld, das du für deine Lebenshaltung, Steuern und Versicherungen brauchst).
  • Welches Budget gebe ich mir für die ersten 1–3 Jahre, um zu investieren? 

Und dann gezielt einsetzen:

  • In 1:1-Begleitung – wie in Punkt 1 erwähnt
  • In Bereiche, die für eine professionelle Basis sorgen – aber keine Kompetenzen sind, die ich mittel- und langfrsitig selbst als Leistung anbieten möchte: Branddesign, Website, technische Basis. Das sind Einmalinvestitionen, die sich langfristig auszahlen. 
  • In Bereiche, in denen du lernst, wie es richtig geht – Ich habe in ein SEO-Mentoring investiert, über dreitausend Euro. Es war die beste Investition, die ich gemacht habe. Nicht weil jemand das für mich übernommen hat, sondern weil ich danach selbst wusste, was ich tue. Und dadurch meinen Akquisekanal Nr. 1 aufbauen konnte. Heute wäre das wahrscheinlich der Umgang mit KI.

Meine Empfehlung: Horte dein Geld nicht, sondern nutze es clever. Geld, das du in dich und dein Business investierst, ist kein Verlust. Es ist der schnellste Weg, um voranzukommen.

4. Früher in Ads investieren – aber mit professioneller Unterstützung durch Expert:innen.

Organische Sichtbarkeit braucht Zeit. Ads nicht.

Wenn ich heute noch mal starten würde und ein Budget vorhanden wäre, würde ich früh einen simplen Funnel aufbauen und mit Ads beginnen. Nicht, weil bezahlte Werbung die einzige Antwort ist – aber weil sie schneller Erstgespräche bringt, schneller Feedback liefert und schneller eine finanzielle Basis schafft, auf der du aufbauen kannst.

Die wenigsten von uns sind allerdings von Beginn an Ads-Expertinnen. Ich war es auch nicht. Deshalb macht es hier besonders viel Sinn, sich Unterstützung zu holen – durch spezialisierte virtuelle Assistentinnen,  Marketingprofis oder eine 1:1-Begleitung im Bereich Funnelaufbau und Ads.

Selbst lernen, oder Experten beauftragen?

Ein Selbstlernkurs kann ein Einstieg sein, aber gerade bei Ads zahlt sich individuelle Begleitung schnell aus, weil du sonst unnötig Geld verbrennst. Gleichzeitig würde ich darauf achten, dass ich dabei lerne, wie ich den Funnel und die Ads selbst weiterführen kann. So vermeidest du Abhängigkeiten, die auf die Dauer ebenfalls teuer werden können.

Meine Empfehlung: Wenn du ca. 300 Euro/Monat für Ads investieren kannst, dann prüfe diese Option für dich, und hole dir Unterstützung dazu. Du wirst es nicht bereuen, sondern viel schneller vorankommen.

5. Ich würde mehr Förderprogramme in Anspruch nehmen.

Das hätte ich so gerne früher gewusst: Es gibt Coaching- und Beratungsangebote, die gefördert sind – und zwar auch nach der Gründung und nicht nur übers Arbeitsamt. Das kann dir Tausende Euro sparen. 

Was ich aus einem Mentoring wusste, war der Weg übers Arbeitsamt. Den bin ich auch gegangen und konnte somit meinen Businessplan mithilfe eines zu 100 % finanziell geförderten Gründungscoachings schreiben. Und dann den Gründungszuschuss beantragen. Das war super hilfreich – und heute begleite ich selbst als Gründungscoach viele Kundinnen, die mit einem AVGS von der Agentur für Arbeit oder vom Jobcenter kommen. 

Was ist ein AVGS?

Ein AVGS ist ein sogenannter Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein, den du von deiner Vermittlungsfachkraft bei der Agentur für Arbeit oder beim Jobcenter bekommen kannst.


Damit bist du berechtigt, ein zu 100 % finanziell gefördertes Gründungscoaching in Anspruch zu nehmen. Du solltest dafür eine grobe Geschäftsidee haben, die umgesetzt werden soll.


Voraussetzungen:

Anspruch auf einen AVGS haben Arbeitslose oder von Arbeitslosigkeit bedrohte Menschen, die ALG I oder II beziehen, oder Nichtleistungsempfänger, die arbeitsuchend gemeldet sind.


Was bedeutet „von Arbeitslosigkeit bedroht“?

  • Es besteht ein befristetes Arbeitsverhältnis, das voraussichtlich nicht verlängert wird
  • Wenn du in Elternzeit bist und den künftigen Job nicht mehr ausüben kannst
  • Wenn du mit dem Studium fertig bist, aber noch keine Perspektive hast
  • Wenn du Bürgergeldempfänger bist
  • Wenn es um eine Wiedereingliederung geht

Wichtig ist allerdings, dass die Vergabe eine KANN-Leistung ist. Das heißt, es liegt im Ermessensspielraum der Vermittlungsfachkraft, ob und in welchem Umfang sie dir einen AVGS ausstellt.

Es gibt noch mehr Förderungen außerhalb der Agentur für Arbeit, auch nach der Gründung.

Was ich aber nicht wusste: Auch nach der Gründung gibt es Förderungen, sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene. Ich bin beispielsweise auch Beraterin beim RKW Hessen

Das bedeutet, angehende Gründerinnen und Selbstständige mit Firmensitz in Hessen können mich im Rahmen einer geförderten Beratung in Anspruch nehmen – und zahlen nur 70 bzw. 50 % der Kosten selbst, den Rest übernimmt das RKW Hessen. 

Vergleichbares gibt es deutschlandweit durch BAFA-zertifizierte Beraterinnen und Berater. Die Frage ist also nicht, ob du Unterstützung brauchst – sondern, ob du die günstigsten Wege kennst, sie zu bekommen.

Meine Empfehlung: Informiere dich frühzeitig, welche Fördermöglichkeiten für dich und deinen Standort verfügbar sind – und nutze sie.

Bonus-Rat: Hole dir Tool-Empfehlungen von erfahrenen Gründerinnen und Mentor:innen ein!

Ein Thema, bei dem ich zu Beginn viel zu viel Geld investiert habe: Tools. 


Es gibt Tools, bei denen es sinnvoll ist, direkt in eine „größere“ Lösung zu investieren. Ein Beispiel dafür ist Lexoffice – es ist ein Buchhaltungstool, das ich liebe, und das die Zusammenarbeit mit meiner Steuerberaterin immens vereinfacht. 


Es gibt oft 2 Sorgen von Gründerinnen, die ich begleite: Die einen wollen möglichst gar nichts investieren. Die anderen sind überfordert von der Vielfalt an Tools und Lizenzen, und sie wissen gar nicht, was sie wirklich brauchen, und was nicht. 


Im Rahmen meines Gründungscoachings gebe ich inzwischen eine Übersichtsliste an die Hand, auf der sämtliche Tools und Investitionsposten stehen. So kann man sich alleine, oder gemeinsam einen Überblick verschaffen, was für die jeweilige Situation und Geschäftsidee sinnvoll ist. 


Ich selbst habe beispielsweise zu Beginn das Terminbuchungstool Calendly genutzt und dafür mehr als 100 € pro Jahr bezahlt. Es war eben der Standard, den man unter Selbstständigen kennt. Heute nutze ich ein Tidycal, für das ich einmalig 29 $ gezahlt habe – als Lifetime-Deal. Die Funktionen sind nahezu identisch.


Solche Unterschiede summieren sich. Und wer sich am Anfang mit jemandem austauscht, der schon gegründet hat, spart sich nicht nur Geld – sondern auch Zeit und Nerven.


3 Tool-Tipps, mit denen du sparen kannst

Tool-Kategorie Standard-Lösung Smarte Alternative Dein Vorteil
Terminbuchung Calendly (ca. 120 € / Jahr) TidyCal (ca. 29 $ Lifetime) Dauerhaft sparen
Buchhaltung Lexoffice (Gründer-Tarif) Papierkram Kostenfreies Tool, wenn du alleine startest
Meeting-Tool ZOOM oder MS Teams KMeet Kostenfrei bei hohem Datenschutz


Fazit: Ich wäre nicht weniger mutig, würde meine Ressourcen aber klüger einsetzen.

Wenn ich noch mal starten würde, würde ich nicht ängstlicher oder vorsichtiger sein. Ich würde mutiger investieren – in Menschen, in Wissen und in die richtigen Tools.

Und bei der Frage „Wo komme ich alleine nicht weiter?“ würde ich nicht nach dem nächsten Selbstlernkurs oder Gruppenprogramm suchen, sondern direkt in persönliche, im Idealfall geförderte 1:1-Begleitung investieren.

Und das würde ich dir auch empfehlen.

Erfolgreich gründen – gemeinsam geht’s leichter!

Im Gründungscoaching klärst du sämtliche Fragen rund um den Start in die Selbständigkeit: Deine Positionierung, dein Produktkonzept, alles rund um Steuern & Finanzen, deine Marketing- und Vertriebsstrategie und wie du dich als Coach organisierst.

Katja Smigerski

Über die Autorin

Katja Smigerski ist kreativer Freigeist, Kommunikationsprofi, ausgebildeter Life & Business Coach (IHK), zertifizierte Gründungsberaterin (avalia) und Hypnotiseurin (TMI).

Die Darmstädterin unterstützt sensible, ehrgeizige Frauen bei ihrer beruflichen Neuorientierung & beim Start in die Selbständigkeit. Ihre Überzeugung: Für einen erfüllten Job braucht es beides, Sinn und eine gesunde Selbstfürsorge.

In diesem Blog teilt sie Erfahrungen, Gedankenanstöße, Expertenwissen und Inspiration, die Impulse für mehr Klarheit, Selbstvertrauen und Umsetzung liefern.

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